New Work – Vordenker, Trends & Instrumente
New Work versprach die Transformation der Arbeitswelt – für eine bessere Mitarbeiterzufriedenheit. Was ist aus der Bewegung geworden und ist New Work im KI-Zeitalter noch relevant?
Dieses Video entstand 2020, als New Work noch in aller Munde war. Die Debatte, die damals ausgelöst wurde, ist heute im KI-Zeitalter relevanter denn je. Nur scheinen die Stimmen, die nach New Work rufen, immer leiser und der Ton in Unternehmen immer rauer zu werden.
Und was ist aus dem Ideal von Frithjof Bergmann, dem Begründer von New Work geworden? Er forderte, Arbeit so zu gestalten, dass sie auf Freiheit, Sinnhaftigkeit und Selbstverantwortung beruht.
New Work hat die Symptome richtig beschrieben: demotivierte Mitarbeitende, sinnentleerte Hierarchien, Führungskräfte, die niemanden mitnehmen. Doch von der Bewegung ist nicht viel geblieben: moderne Bürokonzepte, Homeoffice-Optionen und vielleicht ein paar bunte Sofas. Der Gallup Engagement Index 2025 zieht eine ernüchternde Bilanz, nur noch 10% der Beschäftigten in Deutschland fühlen sich emotional an ihren Arbeitgeber gebunden – ein historischer Tiefstand seit 2001. Trotz vieler Jahre New Work werden die Mitarbeitenden immer unzufriedener, während zeitgleich ihre Verunsicherung wächst (siehe Gallup Engagement Index Deutschland 2025).
Warum? Weil das eigentliche Problem nie angepackt wurde. Die meisten Unternehmen versuchen eine fundamentale Transformation mit Strukturen zu meistern, die noch aus dem Zeitalter der Industrialisierung stammen. Hierarchien, Stellenbeschreibungen, Jahreszielvereinbarungen – alles gemacht für eine Welt in der Arbeit gleich definierbare, wiederholbare Aufgaben bedeutet. Die neue volatile Welt ist eine große Herausforderung für Führungskräfte, sie müssen technologisches Neuland betreten, neue Strukturen schaffen und gleichzeitig Macht abgeben.
Peter Drucker beschrieb den Wissensarbeiter als Zukunft der Arbeit. Aber KI hebelt diese Prämisse gerade aus. Wissen ist nicht mehr an Personen gebunden und allein kein Wettbewerbsvorteil auf dem Arbeitsmarkt mehr.
Frederic Laloux hat mit „Reinventing Organizations" ein faszinierendes Modell beschrieben: sinnorientierte, selbstorganisierte Unternehmen als Antwort auf die Herausforderungen der neuen Zeit. Es ist ein Nischenmodell geblieben. Nicht weil es falsch ist, sondern weil es eine persönliche Reife von Führungskräften voraussetzt, die in einer Welt unter Wirtschaftsdruck, KI-Angst und politischer Unsicherheit selten zu finden ist.
Was bleibt, ist ein fundamentaler Widerspruch: Unternehmen, die nicht transformieren, schaden langfristig ihren Mitarbeitenden und schliesslich auch sich selbst. Aber der Wandel wird voraussichtlich nicht durch Einsicht kommen, sondern durch Druck. Unternehmen, die zu langsam sind, werden von KI-getriebenen Konkurrenten überrollt. Keine angenehme Prognose, ist doch ein brutaler Selektionsmechanismus absehbar.
Millionen von Mitarbeitenden stecken heute in einem Vakuum: zwischen dem Ende des alten Modells und dem Fehlen eines neuen. Weder New Work noch die meisten KI-Strategien helfen ihnen konkret weiter. Das ist kein theoretisches Problem. Es ist die Realität von Menschen in Unternehmen – heute, im Jahr 2026.
Kommentar von Ute Sommer, März 2026.
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