Welche Kompetenzen braucht der CEO von morgen?
Er ist nicht jemand, der von oben herab Anweisungen gibt. Er weiss genau, welche Aufgaben die verschiedenen KI-Agenten übernehmen, welche Governance darüberliegt und an welchen Stellen Menschen weiterhin Verantwortung tragen. Er muss nicht jeden Algorithmus programmieren können. Aber er versteht die Logik, nach der das Gesamtsystem arbeitet und welche Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Agenten entstehen. Denn wer das System nicht versteht, kann die Zusammenarbeit zwischen Menschen und Maschinen nicht sinnvoll gestalten und damit Wertschöpfung nicht optimal steuern.
KI-Agentensysteme optimieren nach definierten Zielen. Doch Ziele können falsch gesetzt sein, Daten verzerrt, Prioritäten widersprüchlich oder Rahmenbedingungen verändert sein. Ein Algorithmus kann technisch korrekt handeln und dennoch eine Entscheidung treffen, die wirtschaftlich, gesellschaftlich oder menschlich falsch ist. Gute Führung bedeutet deshalb, Empfehlungen kritisch zu hinterfragen und Zielkonflikte zu erkennen. Das ist weniger eine technische als vielmehr eine Kompetenz, die auf Erfahrung, Urteilsvermögen und Haltung basiert.
Je leistungsfähiger KI-Systeme werden, desto stärker verlagert sich Führung vom Treffen operativer Entscheidungen hin zum Setzen von Zielen, Leitplanken und Verantwortung. Der CEO muss die Richtung vorgeben. Welche Ziele verfolgt das Unternehmen? Welche Werte dürfen auch unter Effizienzdruck nicht aufgegeben werden? Welche Zielkonflikte sind akzeptabel und welche nicht? KI kann hervorragend optimieren. Sie beantwortet jedoch nicht die Frage, was überhaupt optimiert werden soll.
Im Jahr 2040 sind wahrscheinlich viele Berufe verschwunden oder haben sich grundlegend verändert. Mitarbeitende arbeiten mit Systemen, die sie nicht vollständig verstehen, in Rollen, die sich laufend verändern. Ein guter CEO sieht deshalb nicht nur Funktionen, sondern Menschen mit ihren Stärken, ihren Ängsten und ihrem Potenzial. Er schafft Vertrauen und psychologische Sicherheit. Mitarbeitende müssen den Mut haben, Zweifel zu äussern und Entscheidungen eines Systems zu hinterfragen, ohne Nachteile befürchten zu müssen. Menschlichkeit wird dadurch nicht weniger wichtig, sondern zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor.
In hochautomatisierten Unternehmen kommunizieren KI-Agenten direkt miteinander und treffen innerhalb definierter Leitplanken eigenständig Entscheidungen. Gute Führung bedeutet deshalb nicht, ständig einzugreifen. Im Gegenteil: Der CEO muss erkennen, wann das System zuverlässig arbeitet und wann es beginnt, in eine unerwünschte Richtung zu driften. Er weiss, wann Vertrauen angebracht ist und wann menschliches Urteilsvermögen unverzichtbar wird.
Auch wenn Entscheidungen von KI-Agenten vorbereitet oder getroffen werden, bleibt die Verantwortung beim Menschen. Ein guter CEO versteckt sich nicht hinter einem Algorithmus. Er übernimmt Verantwortung für die Systeme, die in seinem Unternehmen eingesetzt werden, und für deren Auswirkungen auf Mitarbeitende, Kunden und die Gesellschaft.
Wird es CEOs geben, die all diese Kompetenzen in einer Person vereinen? Wahrscheinlich nur in Ausnahmefällen. Realistischer erscheint eine Verteilung dieser Kompetenzen auf wenige Führungskräfte und hochspezialisierte Expertinnen und Experten, die gemeinsam mit KI-Agentensystemen das Unternehmen steuern.